Dien-Mut-Kreuzweg

Dien-Mut-Kreuzweg von Kaplan Ludwig Penz
Wer den Kreuzweg betet oder geht, begegnet dem Leiden Christi, aber auch seinem eigenen. Diese 14 Stationen ermutigen uns, das eigene Leid geduldiger zu ertragen. Dieser Anstoß gelingt nur durch sein freiwilliges Dienen im Leid. Er geht uns den Weg voraus; Er sagt: „Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr tut, wie ich getan habe“ (Joh 13,15). Er musste nicht, er tat es uns zuliebe.  

Lass mich deine Leiden singen,
Dank und Mitleid darzubringen,
dir, unschuldig Gotteslamm,
das von mir die Sünden nahm.
Präge, Herr, in unsre Herzen
all dein Leid und deine Schmerzen.
Lass uns deines Todes Pein,
Trost in unsrem Tode sein.  

1. Dienst: Jesus lässt sich zum Tode verurteilen
Wir alle sind dem Urteil der Welt ausgeliefert. Meistens ist es oberflächlich, ohne sichere Beweise aber sensationell und medienwirk-sam. Die Boulevardzeitung lebt von Skandalgeschichten. Auch Christus kommt dem nicht aus; der Unschuldige wird zum Tode verurteilt. Weil wir oft unter diesem verurteilt werden leiden, nimmt auch er das Urteil an; um des Glaubens willen verurteilt werden ist ein großer Schatz. Wir sind so wie er nicht von dieser Welt. Er trägt deine Verurteilung mit.

2. Dienst: Jesus nimmt das Kreuz auf sich
Christus hätte die volle Erlösung einbringen können durch Enthauptung. Was heiligt dann aber uns, die wir alle auch einen Leidensweg gehen? Wir kommen nicht aus; um uns zu helfen und zu begleiten nimmt er freiwillig das Kreuz auf sich. Dabei ist sein Kreuz um vieles schwerer, ein Unrecht. ER begleitet dich mit seinem Kreuz, ja, er trägt deines mit.

3. Dienst: Jesus fällt.
Christus hat am Ölberg die Soldaten, die Hohenpriester und auch seinen Verräter mit einem Wort zu Boden geworfen. Beim Verhör ist er sich seines Rechtes bewusst; er steht erhaben über dem wankelmütigen Pilatus. Was nützt das den Versagenden und Fallenden? Diesen Dienst bringt Jesus ein bei der dritten Station. Der Herrgott am Boden! Auch er fällt zu Boden. Ist das nicht wie eine Einladung und ein Trost? Du darfst auch fallen! Fallen ist keine Schande, wenn wir nicht liegen bleiben, sondern aufstehen wie er.

4. Dienst: Mütterliche Begleitung
Wer hat diesen erschöpften Kreuzträger aufgerichtet? Eine Frau, eine Mutter, seine Mutter! Sie könnte sich in stiller Kammer ausweinen, sie muss nicht hingehen. Aber sie spürt, jetzt braucht sie ihr Sohn. Sie spricht keine Trostworte, aber sie ist da. Sie versteht und begleitet den Leidenden. Sie ist die Mutter der Barmherzigkeit im Tal der Tränen. Sie wendet ihre Augen uns zu. Tausende Pilger und Wallfahrer wandern zu ihr, – nie umsonst und unerhört. Jesus, ihr dienender Sohn hat sie auch dir geschenkt.

5. Dienst: Ein Mitträger, Simon hilft Jesus das Kreuz tragen
Jeder römische Soldat hatte das Recht, seine Last einem anderen zu übergeben. Weil Jesus total erschöpft war, übergaben sie den Kreuzes- balken dem Simon, einem Bauern. Er darf als Einziger das Erlösungskreuz mittragen. Das ist kein Zufall, sondern Sinnbild für uns alle. Christus hat nicht den Ehrgeiz, alleiniger Erlöser zu sein, er lässt auch uns Menschen teilhaben und miterlösen. Paulus verkündet: „Ich ergänze an meinem Leib, was dem Leiden Christi fehlt“ (Kol 1,24). Am Ende aller Tage wird es offenbar, was du zur Erlösung an-derer beigetragen hast. Ein kleiner Simon könntest du sein!

6. Dienst: Veronika reicht das Schweißtuch.
Mitten im Trubel und Gedränge des Kreuzweges wagt Veronika das entstellte Antlitz des Meisters zu erfrischen. Nicht Trostworte oder weiche Tränen, sondern konkrete Hilfe ist ihr Beitrag. Wie reagiert Jesus auf diesen Dienst? Großzügig wie immer: Er schenkt ihr sein Antlitz, ein Foto, das bis heute erhalten geblieben ist. Es ist das gleiche Bild wie am Turiner Leichentuch. Diesen Veronika-Dienst kann jeder von uns verwirklichen: Dafür bürgt das heilsame Wort des Herrn: „Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ (Mt 25,40). Ja, es lohnt sich heute, Veronika zu sein.


7. Dienst: Geduld mit Rückfälligen
Jesus fällt das zweite Mal. Die Mama jammert über die immer schlampige Liesl. Der Lehrer mahnt den immer vorlauten Fritz. Den Ehepartner ärgert eine schlimme Gewohnheit des Partners.
In dieser seelischen Not hinein wird Christus uns zum Helfer:
Er wird selbst ein Rückfälliger. Trotz Hilfe von Simon und dem Trost der Veronika fällt er wieder. Er tut es aus dienender Nächstenliebe. Auch der immer wieder fallende, der Gewohnheitssünder, findet in Christus einen geduldigen Helfer. Wir alle brauchen Geduld. Herr, schenke du sie uns.

8. Dienst: Für die volle Wahrheit.
Jesus weiß, dass die Träne entlastet und Schmerzen lindert. Er selbst hat ja auch geweint. Er erlaubt und beachtet die Tränen der Frauen. Aber er wagt ein kritisches Urteil über die Hintergründe der Tränen, wofür, wozu weint ihr!? Verliert euch nicht in lockeren Mitleidstränen, sondern weint über den Verlust großer Werte, über den Verlust der Erlösung und der großen Werte des Heiles. Er mahnt zur Ehrlichkeit der eigenen Schuld. Er weitet den Blick für die Werte der Ewigkeit. Seine Wahrheit lautet: Was nützt die ganze Welt, wenn die Seele Schaden leidet! Erst die volle Wahrheit macht frei. Sein Dienst in dieser Station lautet: Unterscheidet zwischen Sein und Schein, verwischt nicht die Grundwerte. Bleibt der vollen Wahrheit treu!

9. Dienst: Der dritte Fall, Dienst an den Verzweifelten
Die dienende Haltung Christi hat seinen Kreuzweg so geplant, dass alle Notstellen unseres Lebens auch ihm begegnen. Dazu gehört heute nicht selten die Verzweiflung. Er, der Allmächtige, der Stärkste liegt erschöpft am Boden. Der Todesschweiß, die römische Geißelung, das Wundfieber und der Durst haben alle seine Kräfte aufgezehrt. So liegt er mit denen am Boden, die den Strick in der Hand haben, weil sie keinen anderen Ausweg mehr finden und alle Lichter der Hoffnung ausgelöscht sind. Er wird einer von ihnen und dadurch zur Hoffnung für sie. Er erhebt sich, denn seine Lebensaufgabe ist noch nicht erfüllt. Damit wird er zum besseren Helfer und Diener der Verzweifelten.

10. Dienst: Jesus wird entblößt. Er wird ein „Geschändeter“
Unsere Zeit kennt keinen Genierer. Die nackte Frau an der Plakatsäule und im Film – eine Selbstverständlichkeit. Skandalgeschichten füllen die Boulevardblätter; jeder sucht die Haut, der einzige Lebenssinn. Lässt der Herr diese Ausgebeuteten und Ausgelieferten allein? Würde er sie allein lassen, dann hört er auf Diener des Heiles zu sein. Auch er steht nackt vor der gaffenden Menge. Er hält dieses Ausgeliefertsein aus und sühnt die dunkle Schuld der Jahrtausende. Wir erinnern uns an sein Wort: „Ich war nackt und ihr habt mich bekleidet“ (Mt 25,36). Er meint wohl seine Kirche, die von vielen schamlos verleumdet wird. Das wird wohl so bleiben, aber er deckt alle ausgelieferte Nacktheit mit dem Mantel seines Erbarmens.

11. Dienst: Jesus wird ans Kreuz genagelt
Verzicht auf Freiheit. Keiner von uns will Einschränkungen, Verbote, Vorschriften und jeder sucht und verteidigt seine Freiheit, auch der Ehepartner. Wohin führt eine Welt, wo jeder nur das tut, was ihm am besten gefällt? Sie endet in Chaos und Streit. Wir brauchen feste Ordnungen: Der Baum wächst nur, wenn er am gleichen Platz bleiben darf, der Autofahrer braucht den Gurt, der Schifahrer den Helm, die Bahn einen Fahrplan, der Bergsteiger das Seil und den Karabiner. Und die Erlösung braucht einen Gott, der sich am Kreuz annageln lässt. Seine Hand kann nicht mehr die Kinder segnen und sein Fuß nicht zu den Armen wandern. Er verzichtet auf äußere Freiheit, gewinnt aber die innere. Nur sie erlöst und sühnt den totalen Freiheitsanspruch unserer Menschheit. Sie nagelt andere ans Kreuz, aber dient und hilft uns im Ringen um echte Freiheit; freilich nur dem, der das tut, was dem anderen wohltut. ER streckt dir die Hand entgegen. Besinnungsweg in Pertisau

12. Dienst: Jesus gibt sein Leben hin. Bewusstes Ja, aktives Sterben
Alles Lebendige fürchtet den Tod. Mit allen Mitteln versuchen wir ihn zu verhindern. Für allzu viele ist er ja das letzte Ende. Aus! Alles vorbei! Und Jesus, der das Leben in Fülle ist, er geht freiwillig in den Tod. Wir erleiden ihn und kommen nicht aus und er sucht ihn. Er schaut ihm ins Auge, er geht ihn an und besiegt ihn. Er steigt hinab in das Reich des Todes. Sein Sterben ist bewusst gewollt und aktiv. Ihm wird das Leben nicht entrissen, sondern er gibt es hin. Er verzeiht den Mördern, spricht den Schächer heilig, verschenkt seine Mutter und kehrt heim zum Vater. Er stirbt, damit wir leben, so wie das Korn, das in die Erde fällt. Danke für die Sterbehilfe, Herr! Im Blick auf dein Leiden schenk auch mir einen guten Tod.

13. Dienst: Jesus im Schoß der Schmerzensmutter. Stirb du mit mir!
Jesus im Schoß der Schmerzensmutter: Maria, die Hilfe der Christen. Maria steht nahe beim Kreuz. In der schwersten Stunde ihres Sohnes teilt sie sein Leid. Mehr noch: Sie gibt ihren Sohn als Opfer hin. Sie wird zur Mutter der Schmerzen. Sie verzeiht und opfert mit. Darum hält sie auch die Spannung und die Anklage der Gegner Jesu aus. Sie war in dieser Stunde eine Angeklagte, eine Verhasste, ja eine Verfluchte. Weil sie auch um das Heil der Stunde wusste; nimmt sie auch Johannes als ihren Sohn an. Sie übernimmt den Dienst der Mutterschaft für alle Menschen. Geduldig hört sie auf die Klage der Leidenden in unseren Wallfahrtskirchen. Tausende Bittsteller bedrängen sie auch noch als gekrönte Gottesmutter im Himmel. Keiner fleht umsonst. Viele nennen sie die fürbittende Allmacht. So darf jeder sie anrufen und sie einladen um Hilfe, jetzt und in der Stunde unseres Absterbens.



14. Dienst: Jesus im Grab. Hoffnung und Gewissheit der Auferstehung
Am Sterbebett und am Friedhof endet die Macht des Geldes, der Zauber der Schönheit, die Pracht aller Kunstwerke. Auch die Zeit verabschiedet sich; alle, die von dieser Welt sind, verstummen. Jede Hoffnung zerbricht. Gerade an der Stelle, wo die ungläubige Welt an einem sinnlosen Ende zerbricht, dient uns der Herr mit seiner Auferstehung. Tao, Konfuzius, Buddha und auch Mohammed, ja, sie alle haben ein Grab, nicht so bei Jesus! Er hat die Macht, sein Leben wieder zu geben. Er ist die Auferstehung und das Leben. Er allein hat das Grab zum Zeichen der Hoffnung gemacht. In der Taufe empfangen wir nicht nur einen Namen, sondern eine Lebensge-meinschaft mit ihm. Weil wir zu ihm gehören, haben wir auch Anteil an seiner Auferstehung; ein Erbrecht dort zu sein, wo er ist. So endet sein letzter Dienst in der Hoffnung: Christus ist erstanden! Es rang im wunderbaren Streit, das Leben mit der Sterblichkeit. Es lebet, der gestorben ist, der Fürst des Lebens Jesus Christ. Darum sind wir derzeit nur Gast auf Erden und wandern ohne Ruh, mit mancherlei Beschwerden, der ewigen Heimat zu. –

Heilges Kreuz sei hochverehret,
Baum, an dem der Heiland hing,
wo sich seine Lieb‘ bewähret,
Lieb‘, die bis zum Tode ging.
Sei mit Mund und Herz verehret,
Kreuzstamm Christi; meines Herrn;
Einstmals sehn wir dich verkläret,
strahlend gleich dem Morgenstern. 

Der Dien-Mut-Kreuzweg mache dich zu einem österlichen Menschen.

Kaplan Ludwig Penz (1913-2013), Sr. Konstantia Auer 

Magdalena am Ostermorgen