Warum Tagzeitenliturgie

Vesper –
eine vergessene Liturgie
oder ein verborgener Schatz?

 

 

Vesper (Tagzeitenliturgie) gehört zur ursprünglichsten Form des gemeinsamen Gebetes. Ihre Wurzeln liegen im jüdischen Morgen-und Abendlob, das sich nach dem Kommen und Gehen des Sonnenlichtes richtet. Die Bewegung der Sonne prägt den Lebensrhythmus der Menschen; auch im Ablauf von Tag und Nacht siegt das Licht über die Finsternis.
Diese Liturgie wurde von den ersten Christen übernommen, denn – im Gegensatz zum heidnischen Sonnenkult – ist Jesus Christus „das Licht der Welt“; er führt die Menschen aus der Finsternis des Karfreitags in die Helle des Ostersonntags. Als Erinnerung wird bei der Vesper auch die Osterkerze entzündet. So feierte die Urgemeinde täglich beim Sonnenuntergang die Vesper und beim Sonnenaufgang die Laudes. Eucharistie (Hl. Messe) feierten sie am „Herrentag“, das ist der Sonntag.

Bruck a. Z. Pfarrkirche St. LeonhardDie Tagzeitenliturgie besteht aus biblischen Elementen – Psalmen, Lobgesängen, Lesungen, Fürbitten. Die Psalmen, wurden vor Jahrtausenden von Menschen für Menschen geschrieben. Alle Nöte und Freuden unseres Lebens, alle Höhen und Tiefen, Glaube und Zweifel, Widerstand und Ergebung, Ausweglosigkeit, Wut, Trauer, auch Dankbarkeit und Freude werden darin zum Ausdruck gebracht. Hier hat uns die Kirche eine reiche Feierkultur überliefert. Die kraftvolle Sprache der Psalmen ist heilsam, es ist ein Weg, „der nach innen“ führt. Diesen Schatz wieder zu heben würde hilfreich sein, in unseren Pfarrgemeinden Gemeinschaft und Zusammengehörigkeit zu fördern.

Vesper kann aber muss nicht eine Notlösung sein, weil kein Priester mehr da ist. Trotzdem ist es eine gute Möglichkeit „Liturgie mit dem Volk“ zu gestalten. „Wo zwei oder drei“ (gemeint ist das Volk, nicht die Vorsteher) sich zum Gebet versammeln, ist Jesus in ihrer Mitte (Mt 18,29). Eine Pfarre kann nur leben, wenn Jesus die Mitte ist. Nicht von Organisation und auch nicht von „Brot allein“ wird sie leben. Sie lebt „von jedem Wort, das aus dem Munde Gottes kommt“ (Mt 4, 4). Wenn wir uns im Boot versammeln und Jesus wieder in unsere Mitte bitten, wenn wir IHM das Rudern überlassen – was ja in vielen Psalmen ausgedrückt ist – werden wir mehr Sicherheit erfahren als in den neuesten „selbstgemachten Vorzeigeprojekten“. Dem Wind und den Stürmen Einhalt gebieten kann nur Jesus (nach Mk 4,38).
Glaube ohne Gebet ist nicht denkbar, Pfarrgemeinde ohne gemeinschaftliches Gebet auch nicht. Das Glaubenszeugnis der Glaubenden in Wort und Tat lebt aus der Verbundenheit und der Begegnung mit Jesus. Darum war es auch der Wunsch des II. Vat. Konzils, die Tagzeitenliturgie wieder neu zu erschließen und vor allem „den Laien“ zu empfehlen. In Tirol war die Vesper früher selbstverständlich; am Sonntag Nachmittag war Rosenkranz, Maiandacht, Kreuzweg und an Hochfesten war die Vesper. Es gab sogar mehrere „Bruder-schaften“, die sich um diese Volksliturgie bemühten.

Medraz

Madraz-Fulpmes

 

 

 

 


Gebet und Dienst

Die Notburga-Gemeinschaft hat vor fünfundzwanzig Jahren begonnen, das Urgebet der Kirche – die Vesper – wieder neu zu beleben. Es war ein langsamer und mühsamer Weg, aber es lohnt sich. Begleiterin auf diesem Weg war uns die hl. Notburga. Gebet und Dienst an den Schwachen waren für sie selbstverständlich. Das gab ihr auch den Mut, Rast für den Feierabend und Heiligung des Sonntags einzufordern.
Uns ist es ein Anliegen, dass sich weiterhin Junge und Alte, Traurige und Fröhliche, Einheimische und Gäste in unseren schönen Kirchen versammeln, um Gott zu loben, zu danken und unsere Anliegen vor Gott zu tragen. Dabei sind uns die Älteren, die Gebrechlichen, die Schwachen, die Kranken, die ohne Fahrzeug ein besonderes Anliegen.
Da es für die Vesper kaum Unterlagen (Bücher) gibt, hat die Notburga-Gemeinschaft „Vesper-Mappen“ mit Texten für das gesamt Kirchenjahr erstellt.
Sr. Konstantia Auer

Längenfeld Pestkirche

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