Heilige Notburga von Tirol

Nächstenliebe ist Gottesliebe

 

 

 

 

 

 

Was von der Tafel übrig war,
das gab Nothburg den Armen dar.
Den Feyerabend thät sie sich ausdingen
und selben Gott mit Gebth zuebringen.         Prantl 1754

 

Auf den Spuren der heiligen Notburga

Notburga ist Kirchenpatronin der Pfarre Eben, Patronin der Notburga-Gemeinschaft sowie der Trachtenvereine. Ihr Name, der sich aus dem Althochdeutschen „not“ (Bedrängnis) und „burga“ (Schutz, Zuflucht) zusammensetzt, sagt, dass sie Schutz gewährt in Bedrängnis. Da es im frühen Mittelalter noch nicht Geburtsurkunden und Registrierungen gab (außer Adel), wird eine historische Spurensuche teilweise durch Über-lieferungen und Legenden möglich. Das ist in diesem Fall,

  • das Geburtshaus von Notburga – „Stettnerhaus“ in Rattenbertg,
  •  die Rottenburg (Ministerialen der Andechser), 1149 bis 1411),
  •  Ausgrabungen in der Kirche von Eben (Erweiterung, Neubau)

  • Notburga wurde um das Jahr 1265 einem Hutmacher Ehepaar in Rattenberg (damals Bayern, heute Tirol) geboren. Die wirtschaftliche und politische Bedeutung, die Rattenberg bereits im Mittelalter erlangte, war die Grenznähe zu Bayern und Salzburg, sowie der rege Schiffsverkehr am vorbeifließenden Inn. Bereits 1393 erfolgte die Stadterhebung. Die Einwohner waren eben „Bürgersleute“, was am Elternhaus Notburgas am Stadtplatz von Rattenberg heute noch sehr deutlich zu sehen ist. Daraus kann eine gewisse Bildung der Einwohner angenommen werden, was bei Notburga sicher der Fall war.
Bereits als Achtzehnjährige kam Notburga auf die Rottenburg zu Graf
Heinrich I. – „Hofmeister von Tirol“ und dessen Gemahlin Gutta. Dort wurde sie bald zur „Beschließerin“ ernannt, heute würden wir sagen: Notburga wurde die Geschäftsführerin. Dadurch hatte sie viele Möglichkeiten, den Notleiden-den und Kranken, die in großer Zahl das Schloss aufsuchten, zu helfen und ihnen vom „Übriggebliebenen“ etwas abzugeben. Das wurde von Frau Gutta, der Schlossherrin, gerne erlaubt.

 Die Legende erzählt:
„Sobald aber die junge Gräfin Ottilie, die sehr hartherzig war, Schlossherrin auf der Rottenburg wurde, hatte Notburga diese Möglichkeit nicht mehr. Sie konnte nur noch das an die Armen verteilen, was sie sich selber „vom Munde abgespart hatte“. Die Armen durften nicht mehr zum Schloss hinauf kommen, und so trug Notburga ihr erspartes Essen hinunter ins Tal, wo die Armen auf sie warteten. Dabei trug es sich zu, dass Graf Heinrich (er saß damals in der Tiroler Landesregierung, die bis 1420 in Meran tagte) als er mit seinem Pferd zur Burg hinaufritt, gerade zu dieser Essensverteilung dazu kam.  Der Graf verlangte von Notburga ihre Schürze zu öffnen und siehe da, „der Graf war geblendet“. Er sah nicht Brot in ihrer Schürze, sondern Hobel-späne; im Krug war nicht Wein, sondern Waschlauge.
Diese Begebenheit hat Graf Heinrich seiner Frau Ottilie berichtet. Diese aber meinte, Notburga mache  einenScherz mit ihrem Gatten und verwies sie von der Burg.

 Feierabend – Sonntag – Ruhe – Rast – Gebet
Jetzt kam Notburga „auf den Eben zum Spießen“. Mit diesem Besitzer  verein-barte sie, am Samstag beim „Betläuten“ (damals bereits um 14.00 oder 15.00 Uhr) Feierabend machen zu dürfen. Für Notburga war es selbstverständlich, den „Feierabend“ (Samstagabend ) bereits dem Gebet und der Ruhe zu widmen. Das nahe gelegene Rupertikirchlein war gerade recht dazu. Laut Legende hielt sich der Bauer nicht immer an diesen Vertrag und verlangte von Notburga auch nach dem Betläuten noch die Weiterarbeit. Daraufhin bat Notburga Gott um ein Wunder, hängte die Sichel auf, die auf einem Sonnen-strahl hängen blieb.
(Die Sichel aufhängen war gebräuchlich, wenn die Schnitter ihre Arbeit beendet hatten). Notburga wird auch heute noch mit der Sichel dar-gestellt.

 Auf derRottenburg kehrt wieder Friede ein.
Nachdem Notburga die Rottenburg verlassen hatte, war dort kein Segen mehr. Graf Heinrich lebte in Feindschaft mit seinem Halbbruder Seifried vom „Gericht Thaur“. Die Schlossherrin Ottilie erkrankte schwer und starb mit dreiundzwanzig Jahren. Notburga kam noch rechtzeitig auf die Rottenburg, um der sterbenden Gräfin Versöhnung anzubieten.
Zur damaligen Zeit kam Graf Heinrich häufig ins Achensee-Gebiet, zusammen mit vielen Adelsleuten – zum Jagen und Fischen. Bei dieser Gelegenheit versuchte er, Notburga wieder für die Rottenburg zu gewinnen. Das gelang ihm. Notburga war dann noch 18 Jahre in seinem Dienst. Für die Armen wollte sie wieder freie Hand haben, was ihr gerne gewährt wurde. Durch ihren „Mut zum Dienen“ gewann sie an Einfluss und es gelang ihr, den Frieden auf der Rottenburg zwischen Graf Heinrich und seinem Halbbruder Seifried wieder herzustellen. Graf Heinrich heiratete in zweiter Ehe die Gräfin von Hoheneck (Schwester des damaligen Erzbischofs von Salzburg). Es wurden ihnen fünf Kinder geschenkt, deren Erziehung sie Notburga anvertrauten.

 Aus Protokollen bei den Benediktinern auf St. Georgenberg geht hervor, dass die Rottenburger sich später sehr sozial betätigten. „Jährlich am Jahrtag ihrer Verstorbenen verteilten sie an fünfhundert Arme Brot ud Fleisch. Der letzte Rottenburger Heinrich VI. – Hauptmann an der Etsch – baute in Kaltern ein Spital, wo er 1411 auch verstarb. Dieses Spital gibt es heute noch, es ist die: Altenheimstiftung: Heinrich von der Rottenburg.
Notburga starb am 14. September 1313 auf der Rottenburg. Ihrer Bitte entsprechend, legte man ihren Leichnam auf einen Wagen, den zwei Ochsen durch den Inn zogen (Innwunder) und hinauf nach Eben. Dort wurde Notburga bei der St. Rupertikirche beigesetzt. Diese Kirche war dem hl. Rupert geweiht, dem Schutzpatron der Salz-Flößer. Damals wurde der Salztransport von Hall nach Jenbach auf dem Inn durchgeführt. Dann ging es steil auf den Eben“ und weiter nach Bayern. In Eben war „Umlade“ und Rastplatz für Mensch und Tier (Rastkapelle). Im Achental gibt es heute noch den „Salzstadel“, wo damals das Salz gelagert wurde. Nachdem Notburga hier begraben war – so der Bericht: „Kamen so viele Leute zu diesem Grab, um Notburga als Heilige zu verehren“.
So wurde die Kirche bald zu klein. Im Jahre 1434 hat der damalige Bischof
von Brixen, Albert von Salona „auf den Eben“ eine neue Kirche eingeweiht.
Nach 1508 wurde diese Kirche mit Unterstützung durch Kaiser Maximilian, der damals häufig am Achensee weilte (Jagd und Fischerei) nochmals verlängert und ein Turm dazu gebaut, der heute noch steht. 1515 war die Weihe der Kirche mit drei Altären durch Weihbischof Johann Kneufl von Brixen. 1518 wurde ein Friedhof angelegt. 1602 wird in einem Bericht das Grab Notburgas unter dem Hochaltar erwähnt. Es wird berichtet, dass Wallfahrer vom Grab Notburgas Erde wegtrugen, so dass der Kirchpropst auf Ordnung drängen musste.
Verehrung und Wallfahrt zur hl. Notburga
Der Pilgerstrom nach Eben setzte immer mehr ein; gleichzeitig auch die Nachfrage nach einer Heiligsprechung. Nach 1600 hat der Haller Stiftsarzt Guarinoni (1571-1654) eine Notburga-Vita verfasst. Ebenfalls um diese Zeit kam in Bayern die „Bavaria Sankta“ heraus, verfasst von P. Matthias Rader SJ, Philologe und Historiker (geb. 1561 in Innichen, gest. 1634 in München ). In diesem dreibändigem Werk, verfasst in Latein, sind alle Heiligen aus Bayern beschrieben, darunter auch Notburga, denn zu ihrer Zeit-wie schon erwähnt-gehörte Rattenberg noch zu Bayern. Diese Aufzeichnungen trugen viel zur Verehrung Notburgas bei. Es wurden Statuen, Gemälde, Kupferstiche und Andachtsbildchen angefertigt. Auf mehrmaliges Ansuchen der Gemeinde Eben, sowie des Grafen Tannenberg, erlaubte der damalige Fürstbischof von Brixen, Kaspar Ignaz Graf von Künigl (1671-1747) im Jahre 1718 die Exhumierung der Gebeine. Bischöflicher Kommissar war der Dekan von Fügen Josef Anton von Piazza. Zeugen waren Pfarrer Johann Sebastian Azwanger von Münster und der Ebener Kurat Franz
von Spreng. Als Sachverständiger wurde Bruder Vital Wagner (Wundarzt und Klosterchyrurg von Georgenberg) zur Untersuchung des Skeletts hinzugezogen. Am 22. August begannen drei Bergknappen mit den
Grabungen innerhalb des Rupertikirchleins.
„Am achten, Tag ungefehr umb 3 Uhr nachmittags fanden sie, innerhalb der Grundmauern, beileifig 10 oder 12 Schritt von iezigen Hochaltar, auf der Epistelseiten, nachend bei den Männerstielen ein menschliches Gerippe. Die Feststellung, ob sie von einem Man oder einer Weibsperson seyen, stützte sich auf die Funde von Kleiderresten, die der gemainen Tracht der Paurn Weiber im untern ihntal glich.“
 
Daraufhin begab sich der Fürstbischof selbst nach Eben, ließ am
21. September (1718) die Gebeine aus der Erde nehmen, reinigen, in
Leinwand einschlagen und in einen eigens dazu angefertigten kleinen
Sarg legen. Da man aber fürchtete, die Reliquien könnten durch die Boden-
feuchtigkeit Schaden leiden, ließ sie der hochwürdige Herr Kommissar
im ehemaligen „Sakramentshäuschen“ der Kirche von Eben, in einer Mauernische an der rechten Seite des Presbyteriums, aufbewahren. Später ging man daran, die Reliquien fassen zu lassen, was die Gräfin Maria Anna
von Tannenberg mit ihrer Mutter und der Schwester Helena Sternbach übernahm. Notburga wurde mit brokatenen Gewändern und wertvollem Schmuck bekleidet.
1736 bis 38 wurde die heutige Kirche gebaut und von namhaften Künstlern (Feichtmaier von Wessobrunn, Höttinger von Schwaz) ausgeschmückt. Bei
der Einweihung der Kirche im Jahre 1738 wurde das geschmückte Skelett am Hochaltar in einem Glasschrein ausgestellt. Die Grabstätte, wo Notburga 400 Jahre gelegen hatte, wurde mit einer beschrifteten Marmorplatte gekennzeichnet.

Notburga – als Heilige verehrt
Im Jahre 1862 erließ Papst Pius IX. das Dekret, mit dem er die Verehrung Notburgas erlaubte. Diese „Anerkennung des Kultes“ kommt einer förmlichen „Heiligsprechung“ gleich. Die Nachricht davon erweckte weit über Tirol hinaus ein freudiges Echo. Vor allem in Eben wollte man die „Heiligsprechung“ in gebührender Weise feiern. Vom 14. bis 21. September dauerten die Feierlich-keiten, an denen das Tiroler Volk regen Anteil nahm. Die Wallfahrt hat seither jährlich zugenommen. Täglich kommen Einzelbeter, Gruppen und besonders viele Reisebusse nach Eben zur hl. Notburga. Vor allem der Hochaltar ist es, der die Pilger tief beeindruckt.
 
Die hl. Notburga (ihr Skelett) steht aufrecht, gleich über dem Tabernakel in einem Glasschrein. Diese einmalige Darstellung symbolisiert: Gottesliebe (Jesus im Tabernakel) und Nächstenliebe (aufrecht stehen für den Sonntag und für die Armen) gehören zusammen.
  
Notburga wird als Patronin der Bauern, der landwirtschaftlichen Arbeiter,
der Arbeitssuchenden, der Kinder, und seit neuestem auch der Trachten-vereine verehrt.
Im Vorraum der Ebener Kirche ist ein Briefkasten angebracht, in dem die
Pilger ihre Anliegen auch schriftlich hinterlegen können. Jeden Mittwoch
beim Pilgergottesdienst um 15.00 Uhr werden sie in den Fürbitten vorge-tragen. Ein Großteil der Anliegen beinhalten Bitten für Kranke, Kinder,
junge Menschen, Kinderwunsch, um eine gute Arbeitsstelle, um Frieden
in der Familie, um einen guten Ausgang bei Ehescheidungen.
Attribute der hl. Notburga sind: Schlüssel, Kanne (Lagl –Gemeindewappen), Ähren, Sichel, Brot.
Wofür Notburga steht?
Sie tritt ein
für die Rechte der Rechtlosen,
für die Rast am Feierabend,
Mut, neue Wege zu gehen,
Frieden zu stiften.
für die Heiligung des Sonntags,
für die Armen,
Unrecht zu ertragen,
die Hand zum Frieden zu reichen.
Die heilige Notburga
diente den Menschen,
sie folgte Jesus nach,
der gekommen ist zu dienen
und sein Leben hinzugeben
für uns (Mt 20,28).